Als ich vor Jahren nach einem Burnout verletzt und orientierungslos am Boden lag, war es u.a. Connie Palmen, die mir zurück ins Leben half. Wie für Sylvia Plath, der sie den größten Raum in ihrer Essaysammlung einräumt, galt es auch für mich, der „Vernichtung des folgsamen, passiven Mitläufers in
einem selbst, des schweigenden Kollaborateurs, der sich bereitwillig den Vorschriften einer verhassten…mehrAls ich vor Jahren nach einem Burnout verletzt und orientierungslos am Boden lag, war es u.a. Connie Palmen, die mir zurück ins Leben half. Wie für Sylvia Plath, der sie den größten Raum in ihrer Essaysammlung einräumt, galt es auch für mich, der „Vernichtung des folgsamen, passiven Mitläufers in einem selbst, des schweigenden Kollaborateurs, der sich bereitwillig den Vorschriften einer verhassten Rolle fügt“ ins Auge zu sehen.
Silvia Plath stieg im Juni 1953 auf das Dach des Barbizon Hotel in New York und warf ihre „Kleider, die sie während ihres wochenlangen Praktikums beim Frauenmagazin Mademoiselle getragen hatte,“ in alle Winde (S. 150). Sie steht in Palmens erstem Essay für die WAHRHAFTIGKEIT, zu der das Abstreifen von allem Heuchlerischen, Unaufrichtigen gehört. Connie Palmen hat keinen Sinn für halbe Sachen und für Rührseligkeiten, sie plädiert für Polarisation und dafür, die Widersprüche zwischen den Polen auszuhalten. Sie nicht zu bekämpfen, sondern anzuerkennen.
„Und wenn man die Fiktion, die herrliche, raffinierte Verquickung von echt und unecht nicht erträgt, erträgt man das Leben nicht.“ S.152
Sylvia Plath hat sie nicht ertragen. ICH hatte die Romane von Connie Palmen, um mir ihrer bewusst zu werden. Sie hat mich AUTONOMIE gelehrt und dass das wichtigste Wort im Leben NEIN ist. Viele NEINs für ein JA zu der, die man sein will. Sie hat mich gelehrt, dass alles einen Preis hat, dass Autonomie den Gegenspieler zu Intimität bildet und sie es trotzdem wert ist.
„Ich wollte allein und zusammen sein.“ (S.13)
In diesen persönlichen Essays über Schriftstellerinnen und einen Schriftsteller offenbart sie Eigenschaften, „die in deren Werk besonders hervorstechen und die zusammen die Errungenschaften der Schriftstellerin formen, die sie am liebsten wäre.“ (Motiv)
Neben den genannten sind das u.a. die UNNAHBARKEIT der Joan Didion, die ERBARMUNGSLOSIGKEIT der Janet Malcolm und das REBELLISCHE des Philip Roth. Ihn als einzigen Mann hier auftreten zu lassen, halte ich für einen Geniestreich. Denn mit ihm trägt sie ihre Unabhängigkeit und ihre Standfestigkeit auf dem Präsentierteller in die Arena. Sie hält ihn für einen „anstandslosen, lüsternen, sexsüchtigen, zwanghaft masturbierenden, rachsüchtigen, des Frauenhasses bezichtigten, ehebrecherischen, durch und durch amerikanischen Schriftsteller“ (S. 116) und LIEBT ihn trotzdem, weil „er einer der intimsten, aufrichtigsten, unerbittlichsten und geistreichsten Schriftsteller ist, den sie kennt.“
Es lebe das Aushalten der Widersprüche!
Ich ende mit Connie Palmens „Motto“ und Philip Roth Worten:
„Ein Leben in konstanter Uneinigkeit ist die beste Vorbereitung auf den Tod, die er kennt. In seinem Unvermögen sich anzupassen, findet er seine Wahrheit.“ (S.113)