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In der abendländischen Poetik gilt das lyrische Gedicht als Paradigma von formverdichteter Poesie, es steht an der Spitze der poetischen Gattungen. Dies wird durch avancierte Prosa, deren multiple Selbstreferenzen ein gegen die Form agierendes Verdichtungskonzept lancieren, zunehmend in Frage gestellt. Der Band fragt vordergründig danach, ob Vers oder Prosa dichter, intensiver, poetischer, avancierter sind. Rekonstruiert wird diese an die Fundamente der Poetizität reichende Konkurrenzfrage in drei umfangreichen, historisch wie systematisch argumentierenden Studien vom 18. Jahrhundert bis zur…mehr

Produktbeschreibung
In der abendländischen Poetik gilt das lyrische Gedicht als Paradigma von formverdichteter Poesie, es steht an der Spitze der poetischen Gattungen. Dies wird durch avancierte Prosa, deren multiple Selbstreferenzen ein gegen die Form agierendes Verdichtungskonzept lancieren, zunehmend in Frage gestellt. Der Band fragt vordergründig danach, ob Vers oder Prosa dichter, intensiver, poetischer, avancierter sind. Rekonstruiert wird diese an die Fundamente der Poetizität reichende Konkurrenzfrage in drei umfangreichen, historisch wie systematisch argumentierenden Studien vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.

Jörg Kreienbrock widmet sich der Poetik und Poesie des 18. Jahrhunderts, ausgehend von Klopstock, mit Bezügen auf Herder u.a. Klopstocks Freisetzung des Versfußes gegenüber dem Vers und der Strophe wird dabei als Beginn einer gegenseitigen Subversion von Prosa und Verskunst ausgedeutet.

Till Dembeck durchquert das 19. Jahrhundert auf der Suche nach der verbogenen, prosaischen 'Rückseite' derLyrikevolution. Schwerpunkte liegen auf der Romantik (Novalis Brentano), Heine und Nietzsche, wobei das Augenmerk einer in der Semantik des Philisters angelegten Abwertung des Verses als reflexionsverhindernder 'Leier' gilt, die es im Namen der Poesie zur Prosa hin zu überschreiten gilt.

Ralf Simons Überlegungen nehmen ihren Ausgang bei Vers-Prosa-Übergängen in avancierter Prosa, um in einer Bewegung von Celan bis zur Gegenwartslyrik die Frage zu stellen, mit welchem Recht 'Gedicht' genannt wird, was als avancierte Prosa offenkundig besser theoretisierbar ist.
Autorenporträt
T. Dembeck, Univ. Luxemburg, Luxemburg; J. Kreienbrock, Northwestern Univ., Chicago, USA; R. Simon, Univ. Basel, Schweiz.