»Der Körper selbst muss der Thron sein. So! Lehnen Sie sich ein wenig zurück. Ja, genau so. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Diwan. Man muss Lust bekommen, sich auf Sie drauf zu legen.«
Adam im Paradies spielt in der prunkvollen Residenz des Malers Zahrtmanns in Frederiksberg im Jahr 1913. Wir
spüren ein starkes Begehren für das Modell, das sich mit Erinnerungen an andere Begegnungen und…mehr»Der Körper selbst muss der Thron sein. So! Lehnen Sie sich ein wenig zurück. Ja, genau so. Stellen Sie sich vor, Sie wären ein Diwan. Man muss Lust bekommen, sich auf Sie drauf zu legen.«
Adam im Paradies spielt in der prunkvollen Residenz des Malers Zahrtmanns in Frederiksberg im Jahr 1913. Wir spüren ein starkes Begehren für das Modell, das sich mit Erinnerungen an andere Begegnungen und Stationen des Lebens von Zahrtmann mischt. Wir lauschen der Erzählstimme des alternden etablierten Künstlers, wie er über Farben erzählt, über seine Werke, Reisen, Schüler, sein Leben und das Altern.
Haslund-Gjerrild legt Fährten aus im Text. Dies geschieht subtil durch einige Auslassungen oder Ungereimtheiten in der Person des Erzählenden selbst, durch seine Haushälterin, die als alleinerziehende verhinderte Künstlerin dargestellt wird und durch scheinbar unvermittelte Einschübe historischer Dokumente. Sie brechen die prächtige Zahrtmann’sche Welt und thematisieren die sogenannten Sittlichkeitsprozesse.
Wer war Zahrtmann? Wie lebte er sein Begehren aus oder war sein Weg die Sublimierung in die Kunst? Wie war seine Haltung zu den Sittlichkeitsprozessen und einer gesellschaftlichen Stimmung, die zwischen Offenheit und Verachtung bzw. Verfolgung oszillierte? Hatte er Angst? Oder fühlte er sich als etablierter Künstler sicher? Diese Fragen drängen sich auf, eine Antwort formuliert die Autorin jedoch bewusst nicht. „Der schelmische Meister gibt keine Antwort. Des Rätsels Lösung zu finden, obliegt dem Betrachter selbst“, zitiert sie einen Kritiker von 1913.
Mit Andreas Donat haben Verlag und Autorin einen Übersetzer gefunden, der ebenso wie Haslund-Gjerrild viel Recherche, Akribie und Sprachkunst in den Text legt. Adam im Paradies ist ein geschliffenes Werk, das sprachlich und formal vordergründig mühelos, blumig und fließend daherkommt. Bravo, eins der besten Bücher, das ich 2022 gelesen habe.