Fuyuko ist 34 und geht ganz in ihrer Arbeit als Korrekturleserin auf. Das ist nicht schwer, denn sie geht nicht aus, hat keine Freund*innen, keine Hobbys. Erst als sie über ihre neue Arbeit Hijiri kennenlernt, beginnt sie ein wenig aufzutauen. Dafür nutzt sie Bier und Sake und wird dadurch zu einer
anderen Person, naja nicht komplett anders, aber sie traut sich mehr, unternimmt Dinge, lernt sogar…mehrFuyuko ist 34 und geht ganz in ihrer Arbeit als Korrekturleserin auf. Das ist nicht schwer, denn sie geht nicht aus, hat keine Freund*innen, keine Hobbys. Erst als sie über ihre neue Arbeit Hijiri kennenlernt, beginnt sie ein wenig aufzutauen. Dafür nutzt sie Bier und Sake und wird dadurch zu einer anderen Person, naja nicht komplett anders, aber sie traut sich mehr, unternimmt Dinge, lernt sogar einen Mann kennen, in den sie sich verliebt. Doch ihre Gefühle scheinen so verkümmert, dass sie ihnen nicht traut.
„Alle Liebenden der Nacht“ von Mieko Kawakami ist mein erstes Buch dieser zurecht gefeierten japanischen Autorin und ich bin froh „Brüste und Eier“ bereits auf meinem Sub liegen zu haben. Mit Fuyuko hat sie eine Protagonistin geschaffen, die durch die Welt schwebt ohne anzuecken, aber auch ohne sich selbst richtig wahrzunehmen, da hilft auch der Alkohol nicht. Dabei verherrlicht der Roman mitnichten dessen Konsum. Sehr zart schildert Fuyuko als Ich-Erzählerin ihre Zweifel, ihre Suche, Ängste und Erfahrungen, die durch eben dieses Zartheit besonders ans Herz gehen.
Doch in dem Roman steckt noch viel mehr. Er ist bereits 2011 in Japan erschienen und enthält feministische Themen, die heute vielleicht in aller Munde sind, aber damals noch eher in abgegrenzten Bubbles zu finden waren. Diese sind ganz subtil in die Geschichte eingeflochten, man nimmt die Botschaft beiläufig auf: wie unnötig Zickenkrieg ist, wie eine Frau zu sein hat, was Partnerschaft, Ehe und Kinder zu bekommen bedeutet. Es wird die Lebensrealität von Frauen geschildert, die sich durchbeißen, aber auch die sich anpassen. Es ist ein Einblick in die weibliche japanische Kultur und wie Frauen untereinander agieren. Das alles schafft Mieko Kawakami mit der schüchternen Fuyuko, was umso eindrucksvoller ist.
Und obwohl es sich lange so anfühlt als wäre „All die Liebenden der Nacht“ eine Liebesgeschichte, so enthält sie doch einen viel wichtigeren Kern: das Erkennen des eigenen Selbst.