Ich habe so etwas noch nicht gelesen. Etwas so Gemeißeltes wie Fluides, etwas so Surreales wie Gegenständliches, einen Text, der Worte voller Schönheit und Anmut zusammenbringt, nur laut gelesen seine ganze Kraft entfaltet, während eine menschliche Stimme ihn gleichzeitig zerstört.
Wie kann ich
Worte, die sich in mir wie ein Ölteppich ausbreiten und jede Faser mit Sein, Wollen, Farben,…mehrIch habe so etwas noch nicht gelesen. Etwas so Gemeißeltes wie Fluides, etwas so Surreales wie Gegenständliches, einen Text, der Worte voller Schönheit und Anmut zusammenbringt, nur laut gelesen seine ganze Kraft entfaltet, während eine menschliche Stimme ihn gleichzeitig zerstört.
Wie kann ich Worte, die sich in mir wie ein Ölteppich ausbreiten und jede Faser mit Sein, Wollen, Farben, Gerüchen, zarten Fäden von Licht, dunklem Glucksen von Tiefe füllen, in eine Form gießen, die 2200 Zeichen zulässt? In eine Form gießen, die Einleitung, Inhaltsangabe, Eindruck und Fazit umfasst?
Verlangt bitte nicht, dass ich zerrede, was Gregor und Alice verbindet. Dass ich eine Handlung erzähle. Wie sie wechselnd von ihrem traumgleichen Wandeln durch symbolhafte Welten berichten. So lose und fest verbunden, wie die Sätze, die sie füreinander aneinanderreihen. Stolpern und dann wieder gleiten, durch satte hängende Gärten, wabernde Wasserlabyrinthe, über Flüsse und Seen in roten Booten, auf Inseln, die Finger durch grüne Algenfäden verbunden.
Bittet mich nicht, das Sehen beim Lesen in Wortet zu fassen. Surreale Bilder, voller Metaphern und Symbolik, die doch ganz gegenwärtige Schmerzen ausdrücken: Missbrauchs-Traumata, Trauer und Verlust in einer durch Umweltzerstörung und Artensterben gezeichneten Welt, Suche nach Identität, nach dem Leben und Tod und den Grenzen dazwischen. Die aber auch vom Wunderland, Kaninchen, Metamorphosen, der Entdeckung der Liebe, der eigenen Sexualität und von Rettung erzählen.
Lasst mich nicht über die Sprache „reden“. Sie liest sich oft wie ein Gedicht ohne Vers, webt, schraubt, bricht, kocht, windet, schleicht, schwebt, macht nichts klar und alles verständlich.
„Das Tanzen ist, als zeichneten sie sich im Raum. Ihre Gestalten, die Schlingen, die Kanten ihrer Kleidung, die ihrer Gesichter. Wenn sie einander um Hals und Hüfte, übermalen sie die Enden, die eine Illusion waren. Sie hielten sich schon früher, im Geheimen, im Arm. Sie, die anderen. Unbewusst standen sie im Kreis, der eine Kugel ist.“ S.90
Über fast jeden Satz in diesem Buch kann ich staunen.
Das Buch ist eine Schock-Liebe: zuerst das Cover, an dem ich mich nicht sattsehen und fühlen kann und dann der Text, der mich völlig überrannt hat. Lust auf ein literarisches Experiment? Dann unbedingt dieses!