Episch. Poetisch. Eine bewegende Geschichte aus Mautitius. Leseempfehlung!
Mauritius! Mit diesem Namen verbinden wir Urlaub, Meer, Sonne, Palmen, weiße Sandstrände, exotische Drinks, Luxus. Was es tatsächlich ist: eine Insel voller Ausbeutung und Rassismus. Ein Land, auf dem sehr wenige sehr
reich geworden sind und die Bevölkerung versklavt wurde. Der Grund: Zuckerrohr. Die Plantagen gibt es…mehrEpisch. Poetisch. Eine bewegende Geschichte aus Mautitius. Leseempfehlung!
Mauritius! Mit diesem Namen verbinden wir Urlaub, Meer, Sonne, Palmen, weiße Sandstrände, exotische Drinks, Luxus. Was es tatsächlich ist: eine Insel voller Ausbeutung und Rassismus. Ein Land, auf dem sehr wenige sehr reich geworden sind und die Bevölkerung versklavt wurde. Der Grund: Zuckerrohr. Die Plantagen gibt es immer noch, die Ausbeutung genauso. Was dazugekommen ist: der Tourismus – eine Folge der Kolonisation. Auch hier: der weiße Luxus contra den Slums.
Noemi erzählt von ihrem Leben. Nur eine Straße trennt ihre karge Behausung von einem Herrschaftsanwesen. Nur eine Straße und eine Hautfarbe trennen sie zwischen Armut und überheblichen Luxus. Und die Weißen nehmen sich nach wie vor, was sie möchten.
S. 13: „Ich bin die Ururenkelin einer Plantagenvergewaltigung. Unter der Dunkelheit meiner ebenholzfarbenen Haut liegt ein leicht heller Unterton. Ich in die Tochter kreolischer Sklavinnen und etwas Düsterem. […] Den weißen Anteil, den ich in mir trage, habe ich mir nicht ausgesucht. Die gierigen Zuckerbarone nahmen sich einfach, was sie wollten ...“
Noemi lebt im Süden der Insel, in Riambel.
S.14: „Der Name klingt wie eine fröhliche Melodie – wie Sommer und Lachen. Ich habe Mama einmal gefragt,ob der Name unseres Dorfes von 'rire en belle' kommt. Aus vollem Herzen lachen. Ungehemmt.“
Zu Lachen hatten sie wahrlich selten Gelegenheit. Es galt die Bedürfnisse der „Oberschicht“ zu befriedigen. Zu arbeiten und gehorchen. Demut zeigen. Nicht sprechen, den Kopf nach unten …
S.74: „Mama hat uns beigebracht, die Blan [Anm.: die Weißen] nicht anzusprechen, es sei denn, sie sprechen uns an.“
In der Schule lernt Noemi Mrs Maggie kennen, eine Aktivistin, die ihr die Geschichte der Sklaverei erzählt, und alle ermuntert, ihr Leben in die Hand zu nehmen und aus dem System auszubrechen. Wie: mit Bildung, lesen – und die eigene Geschichte erzählen.
Das Wort „history“ [aus dem griechischen historia] kann auch anders gedeutet werden: His story. Seine Geschichte. Von Männern erzählt, verfälscht und all die Greueltaten glorifiziert.
Wie wäre es, wenn die Mädchen aus history „her story“ machen würden.
Priya Hein erzählt so wunderbar einfühlsam über das Leben. Leicht, wie eine Brise im Sommer, schön wie ein tropischer Sonnenuntergang und tief wie der Ozean.
Die Sprache ist wunderbar – und die Übersetzung von Mirjam Nuenning mehr als genial. Auf der einen Seite direkt, auf der anderen voller Poesie. Manche Kapitel beherbergen nur einen Satz, aber diese haben es in sich.
S. 160: „ 64: Ich bin ganz allein – gestrandet auf meiner eigenen Insel, von der es kein Entkommen gibt.“
Der Text drückt eine unerfüllte, ja eine unerfüllbar scheinende Sehnsucht aus. Nach einem selbstbestimmten Leben, nach einem Abschüttelwollen der Vergangenheit. Einfach nach Freiheit und dem Wunsch, das alle Menschen egal welcher Ethnie und Hautfarbe als das respektiert und erkannt werden, als was sie sind, nämlich Menschen.
Der poetische Roman ist ein Aufschrei gegen Rassismus, gegen das weltweit dominierende Patriarchat, gegen die Kolonialisierung, gegen das Sklaventum (welches in anderer Form weiterlebt).
S.161: „Du möchtest davonlaufen, doch du kannst nicht. Wohin? Der Horizont folgt dir überall hin.“ - was für ein wunderbarer Satz!
Gerne gebe ich eine absolute Leseempfehlung für diesen sehr bewegenden und tiefschürfenden Roman. Kauft und lest ihn! Unbedingt!