Ich schiebe diese Rezension schon eine ganze Weile vor mir her und das hat einen Grund. Es fällt mir schwer, ein eindeutiges Urteil über dieses Buch zu fällen. Beworben hatte ich mich für die Leserunde, weil mich das Cover sofort angesprochen hat. Ich erwartete einen Thriller à la Dan Brown: rasant,
rätselhaft, kirchlich konnotiert, mit hohem Spannungsbogen. Diese Erwartung hat der Text jedoch…mehrIch schiebe diese Rezension schon eine ganze Weile vor mir her und das hat einen Grund. Es fällt mir schwer, ein eindeutiges Urteil über dieses Buch zu fällen. Beworben hatte ich mich für die Leserunde, weil mich das Cover sofort angesprochen hat. Ich erwartete einen Thriller à la Dan Brown: rasant, rätselhaft, kirchlich konnotiert, mit hohem Spannungsbogen. Diese Erwartung hat der Text jedoch nicht erfüllt.
Stattdessen begegnete mir ein sehr ungewöhnliches Buch. Der Text ist experimentell angelegt, fast in Versform geschrieben, stellenweise formatiert wie ein Gedicht oder ein Lied. Auch das Genre entzieht sich einer klaren Zuordnung. Die Autorin bezeichnet ihr Werk als „spirituellen Thriller“, ein Begriff, der neugierig macht, aber auch Fragen aufwirft. Genre-Mixe sind uns heute längst vertraut, vor allem im Film, und oft sehr erfolgreich. Hier jedoch hat mich diese Mischung nicht wirklich abholen können.
Die Texte wirken bemüht philosophisch und tiefsinnig, voller Gedanken, die klug gemeint sind und auch interessante Ansätze enthalten. Gleichzeitig hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, hinter den Formulierungen eine KI-Stimme zu hören, etwas Glattes, Konstruiertes, das mich auf Distanz hielt. Besonders schwer wog für mich, dass die Figuren blass bleiben. Als Leserin brauche ich Figuren, an denen ich mich festhalten kann, die die Handlung tragen und emotional verankern. Genau das ist hier nicht gelungen. Ich konnte sie nicht greifen, nicht wirklich kennenlernen.
Als Thriller würde ich das Buch nicht einordnen. Ja, es gibt Twists und überraschende Momente, doch es entsteht keine durchgehende Spannung, ein zentrales Merkmal dieses Genres. Der Text will eher gedacht als gefühlt werden, eher reflektiert als erlebt.
Trotz aller Kritik vergebe ich drei Sterne und dies nicht aus Nachsicht, sondern aus Respekt vor dem Versuch. Experimentelle Texte sollten nicht an den Maßstäben klassischer Genreliteratur gemessen werden, schon gar nicht an denen, in denen ich mich selbst primär bewege. Dieses Buch richtet sich an Leserinnen und Leser, die offen sind für formale Experimente, spirituelle Fragestellungen und ungewöhnliche Erzählformen. Wer genau das sucht, sollte sich selbst ein Bild machen.