Der Schweizer Schriftsteller und Feuilletonist Paul Nizon (1929 in Bern geb.) hat seit 1995 seine tagebuchähnlichen Aufzeichnungen (Journale) in bisher fünf Bänden veröffentlicht. Jeder Band ist dabei gewissermaßen einem Jahrzehnt gewidmet, von 1960 bis 2000.
Der Suhrkamp Verlag hatte bereits
2009 in einer Quatro-Ausgabe der Prosa von Nizon eine umfangreiche Auswahl aus den mehrere Tausend…mehrDer Schweizer Schriftsteller und Feuilletonist Paul Nizon (1929 in Bern geb.) hat seit 1995 seine tagebuchähnlichen Aufzeichnungen (Journale) in bisher fünf Bänden veröffentlicht. Jeder Band ist dabei gewissermaßen einem Jahrzehnt gewidmet, von 1960 bis 2000.
Der Suhrkamp Verlag hatte bereits 2009 in einer Quatro-Ausgabe der Prosa von Nizon eine umfangreiche Auswahl aus den mehrere Tausend Seiten umfassenden Journalen veröffentlicht. Mit „Die Belagerung der Welt“ liegt nun eine komprimierte Auswahl vor, wobei die ausgewählten Texte gemeinsam mit dem Autor redigiert wurden. Hier finden sich verstärkt auch Aufzeichnungen aus den 2000er Jahren, die in der Quatro-Ausgabe noch fehlten. Der Herausgeber Martin Simons war darüber hinaus bemüht, die Auswahl so zu gestalten, dass eine Art Autobiografie von Paul Nizon entstanden ist.
Paul Nizon hat einmal seine Journale als sein „Lebensmaterial und sein Arbeitsinstrument“ bezeichnet. Sie dokumentieren seine Schreibbesessenheit und die Suche nach dem richtigen Ausdruck und der besten Form seiner Bücher. Er definiert diese persönlichen Aufzeichnungen als die „andere Seite“ seiner Bücher. In ihnen betritt er häufig neues künstlerisches Terrain, das dann in Romanen zur Anwendung kommt. So sind diese Texte Experimente, Abfallprodukte und eigenständige Notizen. Die Journale bilden quasi den Boden, aus dem dann seine Werke entstehen.
Daneben hält Nizon in seinen Journalen auch familiäre Probleme oder seinen Tagesablauf fest. Wer jedoch intime Enthüllungen erhofft, wird enttäuscht. Im Mittelpunkt steht vielmehr seine Entscheidung, dass er die Familie seiner Schriftstellerlaufbahn geopfert hat. Auch Eindrücke von seinen zahlreichen Reisen finden hier ihren Niederschlag. Tagespolitische Ereignisse interessieren den Autor jedoch kaum.
Die hier vorgelegten Aufzeichnungen sind von unterschiedlicher Länge: mitunter über mehrere Seiten, dann wieder nur wenige Sätze lang. Eine kontinuierliche Lektüre ist nicht unbedingt notwendig. Immer wieder gibt es Einstiegspunkte, die den Leser gefangen nehmen. Die 352 Seiten sind eine gute Möglichkeit, sich dem komplexen Werk von Paul Nizon zu nähern.