Zurück zum Beginn der Koloniarisierung Perns führt dieses Buch detailreicher durch die Ankunft, die Katastrophen und die Entstehung der Drachen.
Im Original erschien dieser Roman 1988, hat also schon einige Jährchen auf seinem Buckel. Wie die anderen Pern-Romane, die ich bisher gelesen habe, ist
der Stil leicht veraltet, wenn es mir auch nicht ganz so schlimm vorkam wie in einigen der anderen…mehrZurück zum Beginn der Koloniarisierung Perns führt dieses Buch detailreicher durch die Ankunft, die Katastrophen und die Entstehung der Drachen.
Im Original erschien dieser Roman 1988, hat also schon einige Jährchen auf seinem Buckel. Wie die anderen Pern-Romane, die ich bisher gelesen habe, ist der Stil leicht veraltet, wenn es mir auch nicht ganz so schlimm vorkam wie in einigen der anderen Bände. Es war damals eben eine andere Zeit und das Schreiben war dementsprechend anders. Als jemand, der mit den alten Werken aufgewachsen ist, ist es zwar eine Umstellung von neu auf alt, doch es lohnt sich.
In dem Storyband "Die Ankunft" hatte McCaffrey sich bereits mit der Koloniasierung des Planeten beschäftigt, doch in diesem Roman erlebt man das ganze hautnahe mit. Und es ist meist spannend. Ich gebe zu, ein paar Längen, gerade zu Beginn, gibt es, doch nie mehr als maximal ein oder zwei Seiten, dann nimmt die Handlung wieder Fahrt auf.
McCaffrey beschäftigte sich hier mit den ersten acht Jahren, die die Siedler auf Pern verbringen, und wie und was alles passiert, was schließlich zur Aufgabe der ersten Siedlung führte. Die eigentliche Evakuierung wird besser in "Die Ankunft" geschildert, doch darum geht es hier weniger.
Nach den ersten Jahren, die die Siedler, einmal abgesehen von den üblichen Nachbarschaftsstreitereien, ruhig verbringen, erfolgt der erste Fädenfall. Und der fordert horrende Opfer! Es wurde in keinem der vorherigen Bände erwähnt, doch es befanden sich auch Nomadenstämme von der alten Erde unter den ersten Siedlern. Diese wurden, bis auf wenige Ausnahmen, samt und sonders Opfer der ersten Sporenregen. Und den Siedlern ist klar: sie müssen etwas tun!
Mit den noch vorhandenen technischen Mitteln rufen sie zum Widerstand gegen die Sporen auf, während sie gleichzeitig versuchen, mehr über diesen neuen Feind herauszufinden. Doch es wird schnell klar, dass diese technischen Mittel begrenzt sind. Was aber den meisten Bewohnern auffällt ist das Verhalten der Feuerechsen, die aktiv mit ihnen gegen die Fäden ziehen. Daraus entsteht der Plan, die kleinen einheimischen fliegenden Echsen genetisch zu verwandeln. Doch so einfach ist das auch wieder nicht, selbst nachdem die ersten künstlich herangezüchteten Drachen geschlüpft sind. Niemand hat Erfahrung mit diesen großen Tieren, und die Genetikerin, die das Erbgut manipulierte, starb während der Versuche eines natürlichen Todes.
Nachdem die Lösung des Problems doch nicht so leicht um die Ecke lag wie man hoffte, sondern Zeit und Training erfordert, sind die Bewohner erst einmal alles andere als begeistert. Doch die Drachenreiter, allen voran Sean, geben nicht auf, sondern arbeiten weiter mit ihren Tieren.
Was McCaffrey hier gelungen ist ist ein interessanter Roman über den Ursprung der Drachen und dem Chaos, der durch eine aktive Bedrohung ausgelöst wurde. Die Sporen werden besser beschrieben, auch wenn den Pernern nicht wirklich klar ist, woher sie kommen. Was sie wissen ist dass sich dieses Phänomen immer wieder wiederholen wird. Also brauchen sie eine dauerhafte Lösung in Form der Drachen.
Einzelne Schicksale werden vorgestellt und deren Werdegang mitverfolgt. Das ist natürlich für den einen oder anderen etwas anstregend zu lesen, denn statt eines Protags gibt es gleich mehrere, durch deren Augen gesehen wird. Die Charaktere wachsen, bleiben aber innerhalb ihrer Archetypen. Selbst Sean, der zu Wutausbrüchen neigt in der ersten Hälfte des Romans, treibt es später, als er zum Drachenreiter wird, nicht auf die Spitze oder riskiert einen Bruch mit der Regierung. Statt dessen geht er mit den anderen Reitern seinen eigenen Weg, um am Ende, Vorsicht Spoiler!, den Tag zu retten.
Ein kleines Easter Egg gibt es obendrein noch zu entdecken zu "Moreta". Das allerdings regte mich zum Schmunzeln an, als ich es las. So schließen sich gleich mehrere Kreise innerhalb des Zyklusses und dem Leser werden eine Menge mehr Einzelteile für das Gesamtpuzzle geboten.
Alles in allem ist "Drachendämmerung" ein handfester Roman, der sich gut lesen lässt. Ist es der beste der Reihe? Nein, aber er schließt einen großen Kreis und gibt nicht wenige Antworten. Und schon allein dafür lohnt sich die Lektüre.