Freya von Moltke (1911-2010) war eine Frau mit klarem Standpunkt und Fingerspitzengefühl: "Nach Kreisau fahre ich nur, wenn die Polen mich einladen", beschied sie Bundeskanzler Kohl höchstpersönlich, als der sie 1989 für die Teilnahme an einer deutsch-polnischen Versöhnungsmesse an
geschichtsträchtigem Ort umwarb. Sie wollte sich politisch niemals vereinnahmen lassen und wusste zugleich sehr gut,…mehrFreya von Moltke (1911-2010) war eine Frau mit klarem Standpunkt und Fingerspitzengefühl: "Nach Kreisau fahre ich nur, wenn die Polen mich einladen", beschied sie Bundeskanzler Kohl höchstpersönlich, als der sie 1989 für die Teilnahme an einer deutsch-polnischen Versöhnungsmesse an geschichtsträchtigem Ort umwarb. Sie wollte sich politisch niemals vereinnahmen lassen und wusste zugleich sehr gut, was sie dem Land schuldig war, das seit Kriegsende nur noch in der Erinnerung an die vielleicht glücklichste Zeit ihres Lebens ihre Heimat sein durfte.
Mithilfe von umfangreichen Briefen, die die Familie von Moltke erst kürzlich für issenschaftliche Zwecke in das Literaturarchiv nach Marbach gegeben hat, zeichnet die Publizistin und Autorin Sylke Tempel in der bei Rowohlt erschienenen Biographie "Freya von Moltke. Ein Leben. Ein Jahrhundert" das wechselvolle Leben einer meinungstarken, selbstbewussten wie feinsinnigen Frau nach, die die Verhaftung und Hinrichtung ihres Mannes, des Widerstandskämpfers Helmuth James, mit großer Würde trug und es bis zuletzt verstand, ihr Leben in seinen Dienst zu stellen, ohne die eigenen Ziele und Bedürfnisse hintenanzustellen. Am 29. März 2011 wäre Freya von Moltke, die nach Kriegsende in Südafrika und in den USA lebte, 100 Jahre alt geworden.