Gomez Davila wird von vielen kritiklos verehrt, ich tendiere auch dazu. Schon alleine, weil er sich niemals in den Vordergrund rückte, sondern seine Gedanken publikumsscheu vermittelte. Einer der wenigen bürgerlichen, normalen, nicht von übertriebener Heuchelei durchsetzten Denkern.
Das Gute
kritisch sehen, um noch besser zu werden. Diese Aussage von Manfred Rommel trifft auf dieses…mehrGomez Davila wird von vielen kritiklos verehrt, ich tendiere auch dazu. Schon alleine, weil er sich niemals in den Vordergrund rückte, sondern seine Gedanken publikumsscheu vermittelte. Einer der wenigen bürgerlichen, normalen, nicht von übertriebener Heuchelei durchsetzten Denkern.
Das Gute kritisch sehen, um noch besser zu werden. Diese Aussage von Manfred Rommel trifft auf dieses hervorragende Buch zu. Man kann sich in das Gespräch bzw. die Gedanken von Vittorio Hösle mit einklinken, mitdenken und mit diskutieren. Seine Gespräche mit GD sind grandios und kreativ anregend.
Ich lese also Gegenaphorismen, Variationen und Korollarien. Ein Korollar beschreibt ein Ergebnis, das die natürliche Folge von etwas anderem ist. Man könnte sagen, dass eine neu entfachte Liebe zu Büchern eine Folge der kürzlichen Eröffnung eines Buchladens in Ihrer Nachbarschaft ist.
„Der Wert eines Aphorismus liegt nicht in seiner Wahrheit, sondern in der Qualität der Gedanken, die er anregt, der Diskussionen, die er auslöst.“ (Hösle) Aber es stimmt auch, einige Aphorismen als ewige Wahrheiten schließen ab wie ein Dessert, man ist gesättigt und muss zustimmen. Nichts weiter. Wie das Amen im Gebet.
Gleich das erste Korollar nahm mich gefangen: „Die Reife des Geistes beginnt, wenn wir aufhören, uns für die Welt verantwortlich zu halten.“ (GD) Hösle: „Und sie vollendet sich, wenn wir erkennen, dass zum Sein der Welt - unser Lebensauftrag gehört.“
Noch eins: „Das Prestige der Kultur lässt den Dummkopf auch ohne Hunger essen.“ (Gomez Davila) Hösle: „Die Rezensionen in den Feuilletons sind wie die Federn bei den Gastmählern der Römer, die einen das eben Verschlungene erbrechen lassen, damit man weiterschwimmen kann.“
Aller Guten Dinge sind drei: „Der Mensch mag nur denjenigen, der ihm schmeichelt, aber er achtet nur denjenigen, der ihn beleidigt.“ (Gomez Davila) Hösle: „Und er liebt denjenigen, in dessen Kritik er den Wunsch spürt, ihn wachsen zu lassen.“
Selten habe ich mich so gut unterhalten. Wenn ich das noch abschließend sagen darf, weniger Kritik als Feststellung: Gomez Davila drückt sich bescheidener, auf einem von Popper geforderten, klaren Niveau aus. Vittorio Hösle schwebt oft ins Vage, Unverständliche ab.
Mein aktuelles Lieblingszitat von Gomez Davila: „Die Moderne glaubt in einem Meinungspluralismus zu leben, während doch, was heute vorherrscht, eine erstickende Einmütigkeit ist.“