In Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ihre erste Publikation.
Die Texte sind unterschiedlich was ihre Länge und ihre Themenwahl
betrifft, aber allesamt sind sie sehr persönlich. Wir lesen über ihre Familie, ihr…mehrIn Helga Schuberts "Luft zum Leben - Geschichten vom Übergang" lesen wir 38 verschiedene Texte der renommierten Autorin, manche wurden bereits andernorts veröffentlicht, viele finden in diesem Erzählband ihre erste Publikation.
Die Texte sind unterschiedlich was ihre Länge und ihre Themenwahl betrifft, aber allesamt sind sie sehr persönlich. Wir lesen über ihre Familie, ihr Schriftstellerinnen-Dasein, Schicksalsschläge, das Leben in der DDR, erahnen politische Haltung und emotionale Achterbahnfahrten, auch wenn diese nur äußerst nüchtern betrachtet werden.
Um ehrlich zu sein: mit vielen der Texte konnte ich nichts anfangen, mir fehlte zu vielen Themen der Bezug, beispielsweise wenn sie über ihr Schriftstellerinnentum berichtet. Und auch wenn manche Themen interessant waren, fand ich den Schreibstil zu nüchtern, fand keinen Zugang. Lediglich wenn Schubert über das Fremde schreibt, die Beobachtungen, die sie hatte, wenn sie in den Westen reisen durfte, empfand ich sowas wie Emotionalität und es entstanden entsprechende Bilder in meinem Kopf. Dies geschah auch bei zwei Erzählungen, von denen ich einigermaßen begeistert war: Einerseits "Knoten" - ein Text über familiäre und persönliche Krebserkrankungen, der hinter der nüchternen Fassade Emotionalität hervorschauen, die Krankheit und den Umgang damit reflektieren ließ, verknüpft mit Sinnbildern, die der Geschichte abstrakten Raum geben. Der zweite Text: "Die Diktatur ist die Täterin. Oder?!". Hier verarbeitet Schubert ihr Verhältnis zum Regime der DDR, setzt ihre eigene Akte ein, die über sie geführt wurde und hält ihre Standpunkte fest, ihre Gedanken zur Partei. Hier ist sie explizit politisch, zeigt, wie unmöglich es war, der Partei genüge zu tun. Zwar ist die Sprache auch hier nüchtern und kaum emotional, aber sie gibt Einblick in ein Stück Zeitgeschichte, dessen Miterleben eng korsettiert war. In dem namengebenden "Luft zu Leben" berichtet die Autorin über ihr Muttersein, ein für mich eher verstörender Text, der "das Kind" mehr als Sache als ein Spross aus eigenem Fleisch und Blut erscheinen lässt.
Zweifelsohne ist Helga Schubert eine literarische Erzählerin, sie konnte mich im Gesamten aber nicht abholen, auch wenn einzelne Texte in Erinnerung bleiben werden. Wer sich schon intensiver mit der Autorin beschäftigt hat und den nüchternen Erzählstil mag, könnte von "Luft zum Leben" begeistert sein.