„Avantgarde“ kommt aus dem Französischen - der ursprünglich militärische Begriff bedeutet „Vorhut“. Im 20. Jahrhundert verstand man unter „Avantgarde“ politische und künstlerische Bewegungen, die sich an fortschrittlichen Ideen orientierten und sich durch Radikalität gegenüber vorherrschenden Normen
auszeichneten.
Die literarische Avantgarde wurde zum Vorkämpfer und Wegbereiter von progressiven…mehr„Avantgarde“ kommt aus dem Französischen - der ursprünglich militärische Begriff bedeutet „Vorhut“. Im 20. Jahrhundert verstand man unter „Avantgarde“ politische und künstlerische Bewegungen, die sich an fortschrittlichen Ideen orientierten und sich durch Radikalität gegenüber vorherrschenden Normen auszeichneten.
Die literarische Avantgarde wurde zum Vorkämpfer und Wegbereiter von progressiven Strömungen, dabei war das Spektrum dieser modernistischen Richtungen äußerst breit. Es reichte von Futurismus und Expressionismus bis zu Dadaismus und Surrealismus. Dabei waren die Avantgarde-Bewegungen nicht nur eine gesamteuropäische Erscheinung mit vielen historischen und künstlerischen Dimensionen, auch in Amerika, Asien und im südlichen Mittelmeerraum gab es Ausläufer.
Die Avantgarde als internationale Erscheinung bildete ein Geflecht von Gruppierungen, Bewegungen, Ismen und Strömungen. Einige wurden europa- und weltweit bekannt, andere verschwanden wieder sehr schnell. Das „Metzler Lexikon Avantgarde“ ist ein gelungener Versuch, dieses vielschichtige Panorama der ästhetischen Avantgarde des 20. Jahrhunderts darzustellen. Die 400 Seiten präsentieren dabei die klassische Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts als auch die neueren Avantgarde-Bewegungen zwischen Zweiten Weltkrieg und Postmoderne.
Das Lexikon erschließt in ca. 220 mitunter recht ausführlichen Artikeln die Avantgarde in den einzelnen Ländern sowie verschiedene Gattungen und Kunstsparten wie z. B. Architektur, Bildhauerei, Design, Film, Fotografie, Literatur, Malerei, Mode, Musik, Tanz, Theater, Typografie. Hier werden diese Kunstsparten auch in ihren internationalen Verflechtungen dargestellt.
Bei den Beiträgen zu einzelnen Kunstformen und Kategorien der Avantgarde und der Avantgarde-Forschung geht es um avantgardistische Kernbegriffe wie z. B. Collage, Gesamtkunstwerk, Lautdichtung oder Manifest. In den Länder-Beiträgen werden die nationalen Entwicklungen und Besonderheiten beschrieben. Diese Artikel zeigen insgesamt die Internationalität und Vernetzung der Avantgarde und verdeutlichen, dass die Avantgarde keine Sache von einzelnen „Zentren“ allein war.
Die einzelnen Textbeiträge sind durch Verweise miteinander verknüpft, so dass auf andere Einträge verwiesen wird, wenn darin weiterführende Informationen zum Gegenstand zu finden sind.
Durch die Mitarbeit von rund achtzig Autorinnen und Autoren aus mehr als einem Dutzend Ländern ist ein internationales Gemeinschaftswerk entstanden, das den neuesten Stand der Avantgarde-Forschung repräsentiert. Eine Auswahlbibliografie und ein umfangreiches Personenregister komplettieren dieses Lexikon, das man mit großem Gewinn verwenden kann. Es ist ein unentbehrliches Hilfsmittel für jeden Literaturfreund, der sich mit der Literatur des 20. Jahrhunderts beschäftigt.
Manfred Orlick