Frankreich ist eine begeisterte Radfahrernation, auch wenn seit 1985 kein Franzose mehr die Tour gewonnen hat. Selbst die „Verlierer“ werden dort als Helden gefeiert, denn nicht selten ist ihr Schicksal tragisch. Unfälle, Krankheiten, Pannen, aber niemals mangelnder Einsatz.
Jean-Marie Magro
kommt aus München, hat französische Wurzeln und sich das Ziel gesetzt, das Land seines Vaters mit dem…mehrFrankreich ist eine begeisterte Radfahrernation, auch wenn seit 1985 kein Franzose mehr die Tour gewonnen hat. Selbst die „Verlierer“ werden dort als Helden gefeiert, denn nicht selten ist ihr Schicksal tragisch. Unfälle, Krankheiten, Pannen, aber niemals mangelnder Einsatz.
Jean-Marie Magro kommt aus München, hat französische Wurzeln und sich das Ziel gesetzt, das Land seines Vaters mit dem Rad zu erkunden: 3000 Kilometer in 21 Tagen und 40 000 Höhenmetern ist eine sportliche Höchstleistung, aber Jean-Marie möchte nicht einfach nur Urlaub machen. Er ist Journalist und will Frankreich auch in die Seele blicken, hat dafür zahlreiche Begegnungen geplant und die ungeplanten kommen noch obendrauf. Die sind oft die spannendsten und bei 3000 Kilometern gibt es genügend Gelegenheiten.
Das Buch ist ein thematischer Rundumschlag, indem es politische, sportliche und kulturelle Aspekte journalistisch verknüpft. Da sind kulinarische Ausflüge genauso möglich wie Betrachtungen über die regionalen Charaktereigenschaften der Einwohner, die mindestens so unterschiedlich sind wie bei uns die zwischen Hamburgern und Bayern. Magro fährt durch Ballungsräume wie Paris, wo Autofahrer systematisch aus der Stadt gemobbt werden und fast menschenleere Gegenden. Ihm passieren natürlich Unfälle und die Tour führt ihn einige Male auch an körperliche Grenzen. Im Gegensatz dazu stehen Momente voller Glück und unerwartete, spannende Begegnungen, positive wie negative. Magro erlebt Frankreich in allen seinen Facetten und das ist das eigentliche Ziel seiner Tour: Eine Reise zu seinen persönlichen familiären Wurzeln und ein aktueller Blick in die Befindlichkeiten der Franzosen, die heute so zerrissen sind wie lange nicht mehr in der Geschichte.
Radatouille endet in der Provence auf dem Mont Ventoux, Schicksalsberg und Sehnsuchtsort für viele Radfahrer. Ein Freund von mir gehört zu den „Verrückten“, die an einem Tag dreimal hoch und runtergefahren sind, ohne dass die Sucht nach dem Radfahren nachließe, im Gegenteil. Für ihn und alle Frankreich- und Radbegeisterten ist das Buch eine ideale Lektüre, Ideenlieferant und Ansporn. Ich glaube, ich schenke es Torsten zum Geburtstag.