Journalistin, Weltreisende, Abenteurerin, Autorin und erste Bergbauingenieurin der USA - das 92 Jahre währende Leben der 1905 geborenen Emily Hahn war Vieles, nur mit Sicherheit nicht langweilig.
Reichlich Stoff für einen Roman also, und natürlich gibt es nicht nur Hahns eigene Bücher zu
entdecken (mehr als 50 an der Zahl), sondern auch zahlreiche Veröffentlichungen über diese großartige…mehrJournalistin, Weltreisende, Abenteurerin, Autorin und erste Bergbauingenieurin der USA - das 92 Jahre währende Leben der 1905 geborenen Emily Hahn war Vieles, nur mit Sicherheit nicht langweilig.
Reichlich Stoff für einen Roman also, und natürlich gibt es nicht nur Hahns eigene Bücher zu entdecken (mehr als 50 an der Zahl), sondern auch zahlreiche Veröffentlichungen über diese großartige Schriftstellerin. Und dennoch möchte ich "Sehnsucht nach Shanghai" aus dieser Fülle hervorheben und besonders empfehlen. Ich kann dazu etliche Gründe anführen, nenne hier aber nur die beiden wichtigsten:
Autorin Luo Lingyuan hat sich in ihrem biografischen Roman auf die sieben Jahre beschränkt, die Emily Hahn in China, und davon vor allem in Shanghai, verbracht hat. Und doch ist die Geschichte extrem dicht, die Ereignisse folgen so schnell aufeinander, dass einen beim Lesen schier schwindelt und man sich fragt, wie die junge Emily nach all den erlebten Schicksalsschlägen immer weiter machen, sich immer neu erfinden konnte. Besonders erwähnen möchte ich, dass Lingyuan ausschließlich historisch belegte Personen auftreten lässt. Die oftmals überstrapazierte "dichterische Freiheit" fehlt - diese Autorin hat sie schlichtweg nicht nötig, Emilys Leben ist spannend genug, Lingyuan muss nichts dazu erfinden, um eine fesselnde Lektüre zu schreiben.
Was allerdings nötig ist, ist umfangreiche Recherche und akribische Auswertung der im Überfluss vorhandenen Originaldokumente. Und hier hat Lingyuan Großartiges geleistet. Sie nutzte ihre familiären Kontakte in die alte Heimat und konnte so nicht nur auf englische und deutsche, sondern auch auf chinesische Originalveröffentlichungen zurückgreifen, sozusagen Informationen "aus erster Hand" nutzen.
Herausgekommen ist ein faszinierendes Porträt einer unkonventionellen jungen Frau, die sich durch nichts und niemanden aufhalten ließ. Es ist ebenso die Geschichte einer großen Liebe und deren plötzlichem Ende. Und fast im Vorbeigehen gewinnt man kurze, aber intensive Einblicke in die chinesische Upper Class, das Schicksal der in Shanghai gestrandeten Juden, die vor den deutschen Nazis geflohen waren sowie den zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg. Ein klein wenig zu kurz kommt für meinen Geschmack die Beziehung zwischen Emily und der Ehefrau ihres chinesischem Geliebten Zau Sinmay, die wohl mehr als ambivalent war und zwischen Freundschaft und Eifersuchtsdramen changierte.
Aber das wäre vermutlich Stoff für einen weiteren spannenden Roman ...