Der Schweizer Schriftsteller und Feuilletonist Paul Nizon (1929 in Bern geb.) studierte zunächst Archäologie, Literatur- und Kunstgeschichte. Bereits 1961 begann er seine Journale zu führen. Seit fünfzig Jahren notiert er dort, was ihm wichtig ist, und hält so die Wahrnehmung auf sich und die Welt
wach.
2009 erschienen in der Edition „Suhrkamp Quatro“ bereits vier Journale der Jahre 1961 bis…mehrDer Schweizer Schriftsteller und Feuilletonist Paul Nizon (1929 in Bern geb.) studierte zunächst Archäologie, Literatur- und Kunstgeschichte. Bereits 1961 begann er seine Journale zu führen. Seit fünfzig Jahren notiert er dort, was ihm wichtig ist, und hält so die Wahrnehmung auf sich und die Welt wach.
2009 erschienen in der Edition „Suhrkamp Quatro“ bereits vier Journale der Jahre 1961 bis 1999, nun liegt mit „Urkundenfälschung“ die Fortsetzung dieser persönlichen Aufzeichnungen des Autors vor.
Mit seinen Journalen startete Nizon ein einzigartiges Tagebuchprojekt. Es war für ihn eine Art literarisches Laboratorium, in dem er über seine Alltagsbeobachtungen und seine schriftstellerischen Arbeiten reflektieren konnte. Skizzenhaft und sehr persönlich schrieb er über Schriftstellerkollegen und Zeitgenossen, aber auch mit seinen Frauenbeziehungen setzte er sich hier auseinander. Naturbetrachtungen und seine Reisen fanden hier ebenfalls ihren Niederschlag. Darüber hinaus entpuppt sich Nizon als ein aufmerksamer Beobachter des politischen Geschehens.
Für Nizon, der die engste Verkettung von Schreiben und Leben für sich beansprucht, ist das Journal bis heute ein wichtiges, ja notwendiges Begleitelement seines gesamten Schreibprozesses. Es ist für ihn eine stetige Selbstfindung und ruft schöpferische Energien hervor. Hier liegt der Ursprung seiner meisten Dichtungen. Schreiben als reflexive Praxis, als Festhalten seines Weges von der bürgerlichen zur künstlerischen Existenz. Hier erschreibt sich jemand sein Leben.
Neben den Alltagsreflektionen der Jahre 2000 - 2010 nimmt auf den vorliegenden 376 Seiten der Schreibprozess an seinem Roman „Das Fell der Forelle“ einen breiten Raum ein. Über lange Zeit war die Arbeit an diesem Buch so etwas wie eine innere Heimat, ja eine Art Testament. Ähnlich intensiv setzt sich Nizon mit seiner Scheidung auseinander, die er wie eine Naturkatastrophe erlebt.
Für Nizon ist alles im Leben literarisches Material und so findet man hier hellsichtige Ana-lysen und Kritiken neben fast banaler Alltagsbeschreibung. Die neue Suhrkamp-Ausgabe wird durch ein Nachwort „Dichter der Verwandlung“ von Herausgeber Wend Kässens, eine biografische Chronologie und ein Personenregister komplettiert.
Manfred Orlick