Gruselig, fast schon zu sehr
Ich glaube, mein Sohn und ich haben noch nie so lange an einem Buch gelesen, deutlich über ein Jahr. Aber, das gehört auch dazu – und darum stehen am Ende trotzdem aufgerundete 4 Sterne über unserer Bewertung – wir wollten „Sixteen Souls“ nie abbrechen, weil wir immer
wissen wollten, was passiert.
Eine Diskrepanz entstand sicherlich durch die Erwartung mit der…mehrGruselig, fast schon zu sehr
Ich glaube, mein Sohn und ich haben noch nie so lange an einem Buch gelesen, deutlich über ein Jahr. Aber, das gehört auch dazu – und darum stehen am Ende trotzdem aufgerundete 4 Sterne über unserer Bewertung – wir wollten „Sixteen Souls“ nie abbrechen, weil wir immer wissen wollten, was passiert.
Eine Diskrepanz entstand sicherlich durch die Erwartung mit der Altersempfehlung 12 Jahren, die der Hörbuch Verlag Argon gibt. Mein Sohn war knapp 13, als wir zum Hören anfingen, und wir waren schon ganz schön baff, wie düster und gruselig es hier wird. Obwohl mein Sohn bei Fantasy wirklich nicht zimperlich ist, wollte er das Hörbuch nicht vor dem Schlafengehen lesen, weil er es so gruselig ist. Schon das verlängerte die Lesezeit drastisch, weil so viele mögliche Lesemomente wegfielen. Auch vom Rhythmus her sind die grusligen, spannenden Stellen wirklich sehr lange, so dass wir hier nicht nur kurz mal 15 Minuten hören konnten, sondern es wirklich längere Einheiten sind, bis dann mal ein entspannterer Moment kommt, an dem eine Pause möglich ist. Beim Finale gab es dann ganze zwei Hörstunden keinen Moment mehr zum Durchatmen. Daher ist die Empfehlung vom Loewe Verlag, bei dem das Printbuch erscheint, ab 14 deutlich stimmiger. Und zu ängstlich sollten die Teenager auch nicht sein. Denn hier sterben wir die Tode nicht nur einmal, durch die sogenannten Todesschleifen werden sie auch durchaus mal häufiger durchlebt. Und dann sind die ganz unterschiedlichen Bösewicht*innen richtig gruselig mit ganz unterschiedlichen Agenden.
Was definitiv auf der Plus-Seite steht und uns bei „Sixteen Souls“ sehr gut gefallen hat:
Mit dem 16jährigen Charlie haben wir einen Protagonisten gefunden, der mit seiner Behinderung einerseits sehr hadert, aber auch zeigt, dass sie ihn nicht darin hindert, sein Schicksal und seine Heldenreise anzunehmen. Seitdem er nämlich fast an den Folgen eine Meningitis gestorben wäre, wurden ihn nicht nur beide Beine amputiert, sondern er kann seitdem auch Geister sehen.
Und dann ist Charlies’ queere Liebesgeschichte mit Sam, der sich in sein Leben drängt und der ebenfalls Geister sehen kann, so absolut wholesome und zudem eine stimmige Repräsentanz für einen trans Protagonist*in.
Uns gefielen auch die spannenden Geistercharaktere und ihre Geschichten. Viele davon stehen Charlie und Sam sehr freundschaftlich zur Seite.
Gerade durch diese vielen Geschichten wurde es aber häufiger unübersichtlich, wer denn nun gleich nochmal wer war. Das ist alles so dicht geschrieben, dass es dann erst beim darüber nachdenken auffällt, aber manchmal hilf der Zufall dem Plot schon sehr auf die Sprünge. So verlagert sich eine Todesschleife genau in Charlies Schulhof, so dass er darin landet. Alles im allem würde es „Sixteen Souls“ guttun, wenn es nicht ganz so überfrachtet wäre. Trotz der teilweise extrem hohen Spannung zog es sich absurderweise durch die Überfrachtung.
Richtig gut gefiel uns die Lesung von Jacob Weigert, dessen Interpretation die Geschichte an vielen Stellen aber nochmal mehr gruselig gestaltete.
Definitiv ein ungewöhnliches (Hör)Buch, das wir frühestens ab 14 Jahren empfehlen. Wir schwanken zwischen 3 und 4 Sternen, landen bei 3,5, die wir wegen der gelungen Diversität und der anrührenden Liebesgeschichte auf 4 Sterne aufrunden.