Ein Zug fährt durch die Nacht. Ein junger russischer Intellektueller ist auf dem Weg nach Leningrad, auf den Spuren des grossen Romanciers Fjodor Dostojewskij. In einer alten, zerfledderten Ausgabe liest er das Tagebuch von Anna Grigorjewna, der Ehefrau und grossen Liebe des Schriftstellers. Bald ist er so gebannt von diesen Aufzeichnungen einer Ehe, dass die Figuren zum Leben erwachen - ein zweiter Zug fährt in entgegengesetzter Richtung. Im Jahre 1867 reist das frisch verheiratete Ehepaar Dostojewskij nach Baden-Baden, dem Eldorado aller Spieler. "Ein Sommer in Baden-Baden - das ich heute zu den schönsten, anregendsten und originellsten Werken des letzten Jahrhunderts zählen würde" (Susan Sontag).
Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension
Rezensent Fabian Wolff freut sich schon auf weitere Texte von Leonid Zypkin, dessen erst 1982 erstmals erschienener Roman nun in Neuauflage mit einem "enthusiastischen" Geleitwort von Susan Sontag vorliegt. Wie der Autor seinen Erzähler auf Dostojewskis Spuren durch deutsche Kurbäder flanieren lässt, weil er sich dem Schriftsteller verwandt fühlt, findet Wolff lesenswert, wenngleich ihm die von Sontag aufgemachte Nähe zu Sebald nicht vollständig einleuchtet. Zypkins lange Sätze, die Zeiten und Orte "durchwandern", und auch das Changieren des Textes zwischen Essay und Fiktion erinnern zwar an Sebald, gibt Wolff zu, doch hat Zypkin das Leid der Schoah, das ihn umtreibt, selbst erlebt, während Sebald es "nur" nachempfindet, so der Rezensent.
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»Eine große Wiederentdeckung.« Süddeutsche Zeitung 20200731







