Wenn die Slide-Gitarre groovt
Southern- und Blues-Rocker Lynyrd Skynyrd mit neuer Doppel-CD
Wenn die Slide-Gitarre nach sechs Jahren wieder erklingt, dann wähnt man sich mit einem Schlag im amerikanischen Süden. Lynyrd Skynyrd sind zurück. Zugegeben, in der ersten Liga des Rock'n'Roll spielt die
Southern-Legende der 1970er längst nicht mehr. Doch kaum eine Band hat so viele tragische…mehrWenn die Slide-Gitarre groovt
Southern- und Blues-Rocker Lynyrd Skynyrd mit neuer Doppel-CD
Wenn die Slide-Gitarre nach sechs Jahren wieder erklingt, dann wähnt man sich mit einem Schlag im amerikanischen Süden. Lynyrd Skynyrd sind zurück. Zugegeben, in der ersten Liga des Rock'n'Roll spielt die Southern-Legende der 1970er längst nicht mehr. Doch kaum eine Band hat so viele tragische Schicksalsschläge überdauert wie diese Truppe. Der Opener des aktuellen Albums „God & Guns“, „Still Unbroken“ klingt da fast ein bisschen ironisch. Frontmann Johnny Van Zant war ja ursprünglich gar nicht dabei. Von der ursprünglichen Besetzung ist nach zahlreichen Todesfällen nur noch Gary Rossington an Bord.
Man trauert den alten Zeiten hinterher, als man in Jacksonville die Haustür noch nicht abschließen musste. Der radiofreundliche Classic-Rock-Sound erfreut mit bleibenden Melodien. Die Texte sind eher eine Hommage an alte Zeiten. Lynyrd Skynyrd sind die Band der traditionellen beziehungsweise konservativen Werte. Das muss nicht jedem schmecken, Neil Young bekanntlich schon gar nicht. Fast wie einst klingen Lynyrd Skynyrd bei klassischen Songs wie „Little Thing Called You“ oder (nomen est omen) „Southern Ways“, wo man Florida quasi musikalisch verlässt und sich nach Alabama begibt. Mit dem schmissigen „Skynyrd Nation“ wird die eigene Gefolgschaft gefeiert, während „Floyd“ als coole Swamp-Blues-Nummer zum Mitgrölen gefällt. Vielfalt wird auf „God & Guns“ groß geschrieben, was sicherlich daran liegt, dass externe Songwriter ins Boot geholt wurden, um dem Album das gewisse Etwas zu geben, das auf den schwachen letzten Werken fehlte. Als krönenden Abschluss bietet „Giftet Hands' noch einmal genau das: begabte Hände, die endlose Gitarrensoli mit Pianobegleitung spielen. Fast so wie damals bei „Freebird“.
Das sind nicht ganz die Lynyrd Skynyrd von einst, weder auf dem Papier noch im Ohr. Doch die Southern-Rock-Kombo um Gary Rossington kann trotzdem endlich wieder überzeugen. Und zwar mit krachenden Riffs alter Schule, die trotzdem frisch klingen. Erfolgreich verbinden sie Classic Rock, Country, eine Prise Folk und kräftigen Radiorock zu einer Southern-Rock-Mischung, die sich wirklich gut anhört. Da spielt es keine Rolle, wer die Songs geschrieben hat. „God & Guns“ ist mit thematischen Abstrichen ein Klassealbum. Achtung: Es gibt in Deutschland eine Doppel-CD und eine abgespeckte Version von „God & Guns“. Die Doppel-CD, übrigens auch unser Rezensions-Exemplar, enthält vier weitere Studiosongs und drei Live-Tracks und ist damit ganz klar die bessere Wahl.
Lynyrd Skynyrd:
„God & Guns“
(Roadrunner)