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Heinrich Mann
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Der Untertan (eBook, PDF)
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Mit der Besprechung von Kurt Tucholsky Diederich Hessling ist ein katzbuckelnder obrigkeitshöriger Opportunist, ganz so, wie es ihn zur wilhelminischen Zeit massenweise gab. Schon in der Jugend zeigt er sich feige und ohne jegliche Courage. Ob als Student, als Familienoberhaupt oder (schließlich sogar) als Fabrikbesitzer, immer zeigt er sich als kriecherischer Mann ohne Charakter. Er nutzt und verehrt die Macht aufgrund eigener Schwäche und ist damit jederzeit das passende Rädchen im Obrigkeitsstaat. Sein einziges Prinzip ist das der grenzenlosen Kaiserverehrung und der Huldigung eines deutschen Nationalismus. Er sieht das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm Zwo als absolute Weltmacht. Auch dieses prophetische Buch landete bei den Nazis auf dem Scheiterhaufen. Kurt Tucholsky, dessen bekannte Rezension hier ebenfalls veröffentlich ist, lobte Manns Werk als ein "Herbarium des deutschen Mannes", in dem er (der Mann) sich zeigt, in seiner "Sucht, zu befehlen und zu gehorchen." Der typische Deutsche Mann seiner Zeit dachte nur in Gewaltstrukturen: Gewalt von oben oder Gewalt nach unten. Für Tucholsky war Hessling nur ein "Herrscherchen" Null Papier Verlag…mehr
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Professor Unrat (eBook, ePUB)
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Der bekannteste Roman Manns ist eine böse Satire auf das Deutsche Kaiserreich und die herrschende Doppelmoral. Der tyrannische Lehrer Raat - von allen nur Professor Unrat geschimpft - ist seinen Schülern in herzlicher Abneigung zugetan. Überkorrekt und überpenibel macht er ihnen das Leben schwer, selbst wenn diese schon die Schule verlassen haben. Das Unheil naht, als sich Raat, in der Absicht, einige Schüler beim Fehltritt zu ertappen, in eine anrüchige Spelunke verirrt, wo er die fortan an nur noch "Künstlerin" genannte Barsängerin Rosa Fröhlich kennenlernt: Ein liederliches Frauenzimmer, wild, unabhängig, ganz und gar nicht schicklich und sich ihrer Wirkung auf die Männer wohl bewusst. Kurz: eine Frau, für die die Zeit noch nicht reif war. Unrat, der ewige Witwer, verliebt sich und öffnet damit einer Lawine von Katastrophen Tür und Tor. Er macht sich zum Gespött, sein gesellschaftlicher Abstieg beginnt. Der Roman war Grundlage für einen der größten deutschen Kinoerfolge überhaupt: "Der blaue Engel" von 1930. Der Film zeigte den ersten starken, unabhängigen und ikonenhaften Frauencharakter überhaupt auf einer Leinwand und bildete das ewige Fundament für die Weltkarriere der Marlene Dietrich. Null Papier Verlag…mehr
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Heinrich Mann
Mann, HeinrichHeinrich Mann, 1871 in Lübeck geboren, begann nach dem Abgang vom Gymnasium eine Buchhhandelslehre, 1891/92 volontierte er im S. Fischer Verlag. Heinrich Mann hat Romane, Erzählungen, Essays und Schauspiele geschrieben. 1933 emigrierte er nach Frankreich, später in die USA. 1949 nahm er die Berufung zum Präsidenten der neu gegründeten Akademie der Künste in Ost-Berlin an, starb aber 1950 noch in Santa Monica/Kalifornien.Kundenbewertungen
Liebesspiele
Bewertung von Ste am 24.06.2022
„Liebesspiele“, herausgegeben von Christian Strich, versammelt acht Erzählungen von Heinrich Mann, die sich um das Thema „Liebe“ drehen. Im Folgenden stelle ich jede Erzählung kurz und spoilerfrei vor. Den Beginn macht „Der Unbekannte“. Im Mittelpunkt der Erzählung steht Raffael, ein Jüngling, der für seine ältere, verheiratete Nachbarin schwärmt. Erzähltechnisch schön gemacht ist, wie sich diese Schwärmerei sukzessiv steigert: Mehrmals deutet Raffael in seiner noch kindlichen Naivität Dinge falsch, erträumt sich so bereits die gemeinsame Zukunft mit der Nachbarin – was permanent durch den auktorialen Erzähler gebrochen wird. So sind die Lesenden Raffael immer einen Schritt voraus; seine Naivität liegt offen, was zur Tragik der Erzählung beiträgt. Die zweite Erzählung „Die Szene“ dreht sich um ein Liebespaar, das sich in einem Trennungsprozess befindet. Buchstäblich handelt die Erzählung von einer schauspielerischen Szene, die dem Trennungsprozess eine besondere Wendung gibt. Es folgt „Liebesspiele“, neben „Die Szene“ eine der kürzeren Erzählungen. „Liebesspiele“ fokussiert eine Dreiecksbeziehungen, in der es um Machtkämpfe geht. Wie auch „Die Szene“ endet „Liebesspiele“ mit einer schönen Wendung. „Gretchen“ ist eine humorige Erzählung, in der die titelgebende Figur mit ihrem Verlobten unzufrieden ist. Die Erzählung endet in einer kleinen Eulenspiegelei. „Suturp“, die fünfte Erzählung, behandelt erneut eine Dreiecksbeziehung: Der Rechtsanwalt Belling begibt sich in die finanzielle Abhängigkeit von dem Herrn von Elchem, um sich und seiner Frau Franziska eine standesgemäße Zukunft zu ermöglichen. Von Elchem allerdings strebt schon seit längerem eine Beziehung zu Franziska an, sodass die finanzielle Unterstüzung von von Elchem für Belling zu einem Teufelspakt wird. Es liegt an Franziska, Belling aus diesem zu retten. „Suturp“ ist insgesamt eine ausgefeilt komponierte Erzählung, die mehrere Wendungen bereithält. Neben dem großen Thema „Liebe“ verbirgt sich in den fünf bisher besprochenen Erzählungen – teils offensichtlicher, teils versteckter – ein weiteres Thema: die bürgerliche Moralvorstellung. Heinrich Mann arbeitet sich an dieser ab, geht mal leichtherzig und augenzwinkernd vor, mal ernst; immer entlarvt er sie als Doppelmoral. In den folgenden drei Erzählungen geht er sogar noch einen Schritt weiter: Hier werden nicht allein die scheinheiligen Moralvorstellungen kritisiert, sondern die Gesellschaft als gesamtes. So spielen in der sechsten Erzählung „Eine Liebesgeschichte“ nicht nur antiquierte Wertvorstellungen eine Rolle, sondern auch die sich schrittweise radikalisierende Kriegsgesellschaft des 1. Weltkrieges. Vor diesem Hintergrund entfaltet Mann eine Liebesgeschichte, die nicht tragischer enden könnte. Die vorletzte Erzählung „Der Verräter“ thematisiert die aufkeimende Arbeiterbewegung. Hier wird aufgeführt, wie die politische Sache für eine Liebesbeziehung missbraucht wird. Den Abschluss macht „Kobes“, die komplexeste der Erzählungen. Der Liebesaspekt rückt hier in den Hintergrund; im Fokus steht die Gesellschaftskritik: Allegorisch und satirisch wird hier der (bereits stark zum Nationalistischen tendierende) Herrschaftsapparat der 1920er kritisch durchleuchtet. Abgerundet wird der Band durch ein Vorwort des schweizerischen Schriftstellers Hugo Loetscher, der kurz in Leben und Werk Heinrich Manns einführt. Daneben finden sich in der Ausgabe des Diogenes Verlags vierundzwanzig Zeichnungen von George Grosz, dessen Darstellungen sich passend in die Gesellschaftskritik Manns einfügen. Insgesamt ist „Liebesspiele“ eine schöne Sammlung von (meist tragisch endenden) Liebeserzählungen, die mit einigen Wendungen auftrumpfen. Die Erzählungen gehen aber nicht allein in der Liebesthematik auf: Neben der Liebe spielen auch die gesellschaftlichen Umstände, in denen die Liebe gedeiht (oder eben nicht gedeiht) eine Rolle.
Liebesspiele
Heinrich Mann (1871-1950) hat neben seinen Romanen (u.a. „Professor Unrat“ oder „Der Untertan“) auch zahlreiche Erzählungen geschrieben. Der Diogenes-Auswahlband versammelt acht Geschichten, die um das Thema Liebe kreisen. Auch sie sind größtenteils von einer kritischen Sicht auf die bürgerliche Gesellschaft geprägt.
In der Auftaktgeschichte „Der Unbekannte“ aus dem Jahre 1905 ist der 15-jährige Schüler Raffael in die Ehefrau eines Konsuls verliebt. Da es seiner Angebeteten gesundheitlich immer schlechter geht, vermutet Raffael, sie wird von ihrem Ehemann vergiftet. Schließlich stellt sich heraus, dass sie hochschwanger ist. In der Liebesgeschichte „Suturp“ (1926) planen der Rechtsanwalt Belling und die junge Schauspielerin Franziska nach ihrer Hochzeit eine gemeinsame Karriere, doch Belling begibt sich immer mehr in finanzielle Abhängigkeit von seinem Chef von Elchem.
„Gretchen“ aus dem Jahr 1908 ist eher eine humorvolle Erzählung, in der Heßlings Tochter die Hauptrolle spielt. Durch ihre Verlobung mit dem behäbigen Assessor Klotzsche hofft sie sich aus der Langweile zu retten. Wie in den anderen Geschichten prangerte Mann hier die heuchlerische bürgerliche Moral an. Auch in der abschließenden Erzählung „Kobes“ ist Mann ein kritischer Beobachter der Gesellschaft der 1920er Jahre. Kobes gilt als es Porträt des Unternehmers Hugo Stinnes und dessen Wirtschaftsimperium. Schauplatz der Handlung ist die Zentrale des Wirtschaftsimperiums, das „große Haus aus Glas und Eisen“.
Fazit: Eine gelungene Auswahl der schönsten Erzählung von Heinrich Mann, die durch ein Vorwort des Schweizer Schriftstellers Hugo Loetscher ergänzt wird.