Wer das Buch: ‚Wallenstein; Sein Leben erzählt von Golo Mann‘ schon in der Hand hatte, hat sich vielleicht gefragt, war der 30jährige Krieg wirklich so? Zumindest taugt es nichts die Lebenssorgen der Adligen, Bürger, Bauern und Leibeigenen der damaligen Epoche kennen zu lernen. Und Grimmelshausens
Janco, zwar auch ein weiblicher Landsknecht wie Pascale im Roman Opalus der Autorin Anne Bernhardi,…mehrWer das Buch: ‚Wallenstein; Sein Leben erzählt von Golo Mann‘ schon in der Hand hatte, hat sich vielleicht gefragt, war der 30jährige Krieg wirklich so? Zumindest taugt es nichts die Lebenssorgen der Adligen, Bürger, Bauern und Leibeigenen der damaligen Epoche kennen zu lernen. Und Grimmelshausens Janco, zwar auch ein weiblicher Landsknecht wie Pascale im Roman Opalus der Autorin Anne Bernhardi, aber doch unendlich schwerer zu lesen.
Kurz um gesagt, wer einen Blick in den 30jährigen Krieg werfen möchte, der ist mit dem Nermberger Zyklus aus Liontu, Orioni und Opalus von Bernhardi nicht schlecht beraten.
Im ersten Buch Liontu wird die Geschichte Georgs erzählt, des jungen Herzogs von Wichtern und Anwärters auf die Herrschaft Nermberg. Als Fahnenflüchtiger sucht er Zuflucht bei einem Arzt, erlernt dessen Beruf und hilft jahrelang den Kranken um und im Ort Steinlingen. Sein Exil wird jedoch entdeckt und er von seinem Widersacher und unrechtmäßigen Herzog von Nermberg gefangen und inhaftiert. Ianthe, seine erste und einzige große Liebe schafft es ihn zu befreien. Aber wird es den Beiden auch gelingen den Widersacher nieder zu kämpfen und ihre Liebe zu leben? Allein schon die Heimkehr ins Georgs Vaterstadt hat kaum überwindbare Hindernisse. Der Autorin gelingt es von der ersten Seite an soviel Interesse zu wecken, dass man gerne dem Weg Georgs durch die turbulente Zeit des 30jährigen Krieges folgt und sich auf diesen gelungenen Einstieg in die Nermberg Trilogie einlässt.
Nicht nur die menschlichen Figuren sind mit einem gezielten Pinsel gekonnter Sprache gezeichnet, sondern auch die Pferde und weitere Tiere. Das gilt ebenso und erstaunlicherweise auch für die Bebilderung der Bücher, die ebenfalls von der Autorin stammt. Insbesondere die Pferdestudien sind beeindruckend. Die Sprache ist temporeich und treffend, die Geschehnisse voller überraschender Wendungen und guter Ideen.
Im zweiten Band Orioni, entführt uns die Autorin nach Frankreich in den Ort La Roque Gageac, wo Heinrich Orioni sich vor Verfolgern, Nermberger Soldaten, in Sicherheit bringen will, die ihn zu seiner Verurteilung nach Nermberg schaffen sollen. Was nur er weiß, hier lebt Pascale, eine uneheliche Zeugung Wilhelm von Wichtern, Georgs Vaters. Diese Schwester des Helden aus dem Band Liontu hat Orioni mehr oder weniger dazu gebracht verkleidet ihm und den Nermberger Soldaten zu folgen. Zahlreiche Abenteuer warten auf sie und ein Wunsch wächst in ihr, der Wunsch ihren Vater kennen zu lernen. Orioni wird jedoch kurz Nermberg von den Soldaten gefasst. Pascale trifft auf ihren schwerkranken Vater Wilhelm von Wichtern, den sie an seinen in den Kriegswirren verschollenen Sohn Georg erinnert. Sein Gegenspieler Hieronymus von Graalfs sieht in Pascale eine Gefahr, da er die Herrschaft des von Wichtern an sich reißen will. Reisinger einer der Landsknechte die Pascale ermorden sollen steht vor einem großen Dilemma. Soll er wirklich dem Befehl folgen und das Mädchen töten? Und Pascale, falls sie es überlebt, wird sie noch die Zeit haben sich mit ihrem Vater gut zu stellen. Was bringt ihre Zukunft? Hat sie überhaupt noch eine Zukunft?
Und nun, mit dem dritten Buch, Opalus, soll sich der Kreis schließen. Wird es ihr gelingen endlich eine sichere Zukunft in den Wirren des großen Krieges aufzubauen, oder gar ihren verschwundenen Bruder zu finden und ihm zu helfen sein Erbe anzutreten? Die Vorgeschichte verspricht einen ganzen Strauß weiterer Abenteuer und hochkarätige Spannung. Was gibt es noch zu einem Buch zu sagen? Vieles!
Und darum möchte ich hier auch einen Kompetenteren zitieren, mit einem Auszug aus dem ‚Stern der Ungeborenen‘ von Franz Ferfel, einem ausgewiesenen Kenner historischer Romane. Hier seine Worte, dem die Nermberg Trilogie in jeder Hinsicht gerecht wird:
Leser sind nicht gutmütig. Sie sind und sollen sein höchst unerbittliche Gläubiger ihres Autors. Sie haben auf Treu und Glauben für ein Buch ebensoviel Geld aufgebracht wie für eine mäßige Mahlzeit in einem mäßigen Restaurant, die Flasche Wein nicht mit eingerechnet. Sie haben damit das volle Recht erworben, von ihrem geistigen Traiteur, dem Autor, das Voll-Entsprechende auf seinem Gebiet zu fordern. Da das Geistig-Nährende in unserer Welt einen weit billigeren Marktpreis besitzt als das physische Nahrungsmittel, so haben die Leser vom Autor zu fordern: Mehrere Tages- oder Abendstunden intensiver Spannung, Unterhaltung feinster Art, deren man sich nachher nicht zu schämen braucht, echte seelische Erschütterungen, lautes und leises Lachen, dann und wann auch durch Tränen gewürzt, leichteste Verständlichkeit, die gute Möglichkeit, sich in die geschilderten Gestalten ohne Mühe einzufühlen, rasches Tempo der dargestellten Geschehnisse und vor allem möglichst wenig Beschreibungen.